Mundpflege bei Pflegebedürftigen: Welche Spülung eignet sich?
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Bei der Mundpflege von Pflegebedürftigen gilt eine Grundregel: Wer sicher schlucken und ausspucken kann, darf eine milde, alkoholfreie Mundspülung verwenden; bei Schluckstörungen, Bewusstseinseinschränkung oder Bettlägerigkeit wird nicht gespült. Dann reinigen Pflegende Zähne, Zahnfleisch und Zunge mit Zahnbürste, Mundpflegestäbchen oder Kompressen und tragen Gele sparsam auf. Gründliche Mundpflege ist wichtig, weil Beläge Entzündungen fördern und bei Verschlucken ein Lungenentzündungsrisiko darstellen können.
Schluckstörung: nicht spülen lassen. Flüssigkeit kann in die Atemwege gelangen und eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) auslösen. Achten Sie auf diese Zeichen und sprechen Sie sie in Arztpraxis, Logopädie oder Pflegeteam an:
- Husten oder Räuspern beim Trinken und Essen
- gurgelnde, „feuchte“ Stimme nach dem Schlucken
- Speichel oder Getränke laufen aus dem Mund
- Essensreste bleiben in den Wangentaschen liegen
- wiederkehrendes Fieber oder Atemwegsinfekte ohne klare Ursache
Warum Mundpflege bei Pflegebedürftigen so wichtig ist
Pflegebedürftige Menschen können ihre Zähne oft nicht mehr selbst gründlich reinigen. Hinzu kommen Mundtrockenheit durch Medikamente oder geringe Trinkmengen, Prothesen und häufig Schluckstörungen, etwa nach einem Schlaganfall, bei Parkinson oder Demenz. Beläge im Mund begünstigen Karies, Zahnfleischentzündungen, Pilzinfektionen und Druckstellen. Gelangen Bakterien aus dem Mund in die Lunge, steigt das Risiko für eine Lungenentzündung. Eine regelmäßige Mundpflege gilt deshalb als wichtige vorbeugende Maßnahme.
Für professionell Pflegende gibt es einen Expertenstandard zur Förderung der Mundgesundheit in der Pflege, an dem sich Einrichtungen orientieren.
Spülung, Tupfer oder Gel: Was passt wann?
| Situation | Geeignete Methode | Hinweis |
|---|---|---|
| Schluckt und spuckt sicher, sitzt aufrecht | Zähneputzen plus milde, alkoholfreie Mundspülung | Becher und Schale bereitstellen |
| Spuckt unsicher aus | Zähneputzen mit wenig Zahnpasta, keine Spülflüssigkeit | Zahnpasta-Reste mit feuchter Kompresse auswischen |
| Schluckstörung | Zahnbürste, ggf. Absaug-Zahnbürste, angefeuchtete Mundpflegestäbchen | Stäbchen gut ausdrücken, nur kleine Flüssigkeitsmengen |
| Bewusstseinseingeschränkt, bettlägerig | Reinigung mit Kompressen oder Stäbchen, Lippenpflege | Oberkörper hochlagern, Kopf leicht zur Seite |
| Trockene Mundschleimhaut | Feuchtigkeitsgel oder Speichelersatz sparsam auftragen | kleine, regelmäßige Trinkmengen anbieten, sofern erlaubt |
| Entzündung, Pilzbefall, nach Eingriffen | nach ärztlicher oder zahnärztlicher Anordnung | z. B. Chlorhexidin aufgetupft statt gespült |
Geeignete Spülungen sind alkoholfrei und mild, denn Alkohol trocknet die oft ohnehin trockene Schleimhaut weiter aus. Eine Auswahl finden Sie unter Mundspülung ohne Alkohol. Bei ausgeprägter Mundtrockenheit helfen die Hinweise unter Mundspülung bei Mundtrockenheit.
Mundpflege bei Schluckstörung: Schritt für Schritt
- Position: Die Person sitzt möglichst aufrecht oder der Oberkörper ist hochgelagert, der Kopf leicht nach vorn geneigt. So läuft Flüssigkeit eher aus dem Mund als in den Rachen.
- Vorbereiten: Handschuhe, weiche Zahnbürste, wenig Zahnpasta, Kompressen oder Mundpflegestäbchen, Becher mit Wasser, Lippenpflege. Prothesen vorher herausnehmen.
- Zähne putzen: Mit einer weichen Bürste und nur sehr wenig Zahnpasta, möglichst einer schwach schäumenden. Systematisch alle Flächen reinigen.
- Reste entfernen: Schaum und gelöste Beläge mit gut ausgedrückter, feuchter Kompresse oder Stäbchen auswischen, statt spülen zu lassen. Wo vorhanden, eine Absaugung nutzen.
- Zunge und Schleimhaut: Zunge sanft von hinten nach vorn reinigen, Wangentaschen auf Essensreste prüfen.
- Befeuchten und pflegen: Bei Bedarf ein Feuchtigkeitsgel dünn auftragen, Lippen eincremen.
- Beobachten: Rötungen, Beläge, Druckstellen oder Blutungen dokumentieren und weitergeben.
Mundpflegestäbchen mit Zitronen-Glycerin werden heute von vielen Fachleuten nicht mehr empfohlen, weil sie die Schleimhaut austrocknen und der Säuregehalt den Zahnschmelz angreifen kann. Verwenden Sie stattdessen unbeschichtete Stäbchen, die Sie mit Wasser oder einer geeigneten Lösung anfeuchten.
Prothesen bei Pflegebedürftigen reinigen
Prothesen sammeln Beläge ebenso wie eigene Zähne und sind eine häufige Quelle für Pilzinfektionen. Nehmen Sie die Prothese mindestens einmal täglich heraus, reinigen Sie sie über einem mit Wasser gefüllten Waschbecken mit einer Prothesenbürste und reinigen Sie danach Kiefer und Gaumen mit einer weichen Bürste oder Kompresse. Nachts sollte die Prothese, sofern zahnärztlich nichts anderes empfohlen ist, herausgenommen und sauber aufbewahrt werden. Details unter Mundspülung und Zahnprothese.
Chlorhexidin und andere Wirkstoffe in der Pflege
Chlorhexidin wird in Kliniken und Pflegeeinrichtungen zeitweise zur Keimreduktion eingesetzt, etwa bei Entzündungen oder vor und nach Eingriffen. Bei Schluckstörungen wird es nicht gespült, sondern als Gel aufgetragen oder mit Stäbchen aufgetupft. Die Anwendung erfolgt nach ärztlicher oder zahnärztlicher Anordnung, Packungsbeilage beachten. Zu Dauer und Nebenwirkungen informiert Chlorhexidin-Mundspülung.
Weiße, abwischbare Beläge oder Mundwinkelrisse können auf eine Pilzinfektion hinweisen. Sie gehören in ärztliche Behandlung, siehe Mundsoor.
Praktische Hilfsmittel für Pflegende
Mundpflegestäbchen unbeschichtet
- Für: Reinigung und Befeuchtung ohne Spülen
- Tipp: vor Gebrauch gut ausdrücken
Schaumstoffstäbchen zum Auswischen von Wangentaschen, Gaumen und Zunge. Sie ersetzen nicht das Zähneputzen, wenn noch eigene Zähne vorhanden sind.
- Wenig Flüssigkeit, gut dosierbar
- Entfernen keine festen Beläge
Prothesenbürste
- Für: Voll- und Teilprothesen
- Tipp: über gefülltem Waschbecken reinigen
Die zweiseitige Form erreicht Außen- und Innenflächen der Prothese besser als eine normale Zahnbürste.
Bei Amazon ansehen* (Affiliate-Link, öffnet neues Fenster)Zahnärztliche Betreuung organisieren
Pflegebedürftige Menschen erhalten in Deutschland zusätzliche zahnärztliche Vorsorgeleistungen, und viele Pflegeheime haben Kooperationsverträge mit Zahnarztpraxen. Auch Hausbesuche sind möglich. Fragen Sie in der Zahnarztpraxis oder bei der Krankenkasse nach den Möglichkeiten.
Häufige Fragen
Wie oft sollte die Mundpflege bei Pflegebedürftigen erfolgen?
Zähne und Prothesen sollten mindestens zweimal täglich gereinigt werden, morgens und abends. Bei Mundtrockenheit oder Mundatmung ist eine zusätzliche Befeuchtung über den Tag hilfreich.
Welche Zahnpasta eignet sich bei Schluckstörungen?
Eine fluoridhaltige, möglichst wenig schäumende Zahnpasta in kleiner Menge. Fragen Sie in der Zahnarztpraxis nach, wenn Sie unsicher sind, wie viel Fluorid sinnvoll ist.
Was tun, wenn die Person den Mund nicht öffnen möchte?
Ruhig erklären, was Sie tun, an Wange oder Lippe beginnen und nichts erzwingen. Ein späterer Versuch oder eine andere vertraute Person kann helfen. Bei dauerhafter Abwehr sollte das Pflegeteam gemeinsam mit Arzt oder Zahnarzt nach Lösungen suchen.
Darf man Mundspülung auf ein Stäbchen geben?
Eine milde, alkoholfreie Lösung kann auf ein gut ausgedrücktes Stäbchen gegeben werden. Bei starken Wirkstoffen wie Chlorhexidin nur nach Anordnung, und immer so wenig Flüssigkeit, dass nichts in den Rachen läuft.
Dieser Ratgeber informiert allgemein und ersetzt keine zahnärztliche oder ärztliche Untersuchung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Zahnarztpraxis. Bei Arzneimitteln gilt: Packungsbeilage lesen und bei Fragen Ärztin, Arzt oder Apotheke fragen.